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News vom Radsberg

Viva España
16.02.2018 11:19, Von: Sebastian Hitz

Ein Clubausflug der keiner war ...

Der Autor beim Chillen

Der Autor beim Fliegen

Strand in Salobrena

Die Truppe ...

... und der Rest der Shuttle-Mädels

Die Shuttle-Flotte

Europas Gemüsegarten

Adaptiertes Verkehrsschild

Teilnehmerinnen Starthelfer-Lehrgang

Paella muss sein!

Bericht von einem Clubausflug, der keiner war oder „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen“

Liebe Clubmitglieder! Wenn einer auf Reisen geht, dann hat er was zu erzählen. So auch in diesem Falle. Unser geschätzter Obmann (vulgo „il presidente“) rührte die Werbetrommeln für einen Flugausflug gen Spanien und viele sind gekommen. Nur nicht ganz so wie geplant, aber das ist eine andere Geschichte.

Geplant war: 4. - 11.2., eine Flugreise nach Spanien. Wer mitkommt, möge sich melden. So weit so gut.

Raus- bzw. angekommen sind 22 Flieger inklusive Anhang, welche sich in unterschiedlichen Grüppchen an der Andalusischen Küste tummelten. Die einen kamen über die renommierte Harry-Travel-Agency (im folgenden HTA) bereits vom 1.2. bis zum 8.2., parallel dazu buchten andere bei der erst kürzlich in Eisenkappel ins Leben gerufenen Horsti-Tours-Unlimited (im folgenden HTU), auch vom 1.2. bis zum 8.2., wohingegen der Hauptanteil mit den Granden (bitte nicht mit den Greisen verwechseln) unseres Vereins vom 4.2. bis zum 11.2. buchten. Einige unersättliche kamen überhaupt am 1.2. und blieben bis zum 11.2.. Soweit zur Ausgangslage. Nicht leicht zu koordinieren, wie sich der Kenner des Teilnehmerkreises denken mag … .

Das Wichtigste vorab: Wir hatten geniales Flugwetter, super Guides (in- und ausländische) und keine Unfälle zu verzeichnen (zumindest nicht, solange wir in der Luft waren!).

Für die HTU Truppe konnte Horst gleich zu Beginn mit einem Schmankerl aufwarten. Während die geschlauchte HTA Truppe noch in der Nacht Malaga mit einem Mietauto verlassen musste und die weite Reise nach Adra ins Hostal La Curva antreten musste, hat Horst für seine Individualreisenden ein Quartier direkt am Flughafen organisiert. Die Betonung liegt auf "direkt".

So konnten wir am nächsten Tag ausgeruht und mit Starbuckscafe gestärkt die Reise antreten. Natürlich ging‘s sofort am ersten Tag zu einem Startplatz der irgendwo hinter Granada lag. Die, die sich mit den Lokalitäten nie so richtig beschäftigen mussten, blieben bis zum letzten Tag mehr oder weniger in Unkenntnis darüber, wo es hinging oder etwa wie man dahin kommt. Das haben sich die mit der Zeit immer mehr werdenden Reiseleiter gut eingefädelt. Ich hatte gleich zu Beginn ein Dejavue: 50-60 km/h Nordwind an der Küste und trotzdem ungebrochener Optimismus der Eingeweihten, als ob sie alle bei Itzefly gelernt hätten. Und wahrlich flog ich ganz annehmbar in eisiger Kälte an einer langen Soaringkante im Santanirgendwo.

Dort in den Bergen sind wir auch mit dem anderen Teil der Frühbucher zusammengetroffen. Das war ein Hallo, als ob wir uns seit Jahren nicht gesehen hätten. Und wie das eben in Spanien so ist, wurde es auch gehörig gefeiert. Gemeinsam ging‘s dann wieder in die Hostal La Curva, welche sich im gleichnamigen Ort La Curva in einer Kurve befindet. Trotz intensiver Frequentierung von Itzefly und anderen Radsbergern spricht das Personal konsequent und unbeirrbar Spanisch und das mit einem Gesichtsausdruck, der die absolute Verblüffung nicht verbergen kann, warum denn die Paragleiter nach 20 Jahren La Curva nicht schon fließend Spanisch sprechen. Das führt dann dazu, dass der eine oder die andere dreimal umziehen musste, um schlussendlich eine Badewanne im Zimmer vorzufinden. Ich gebe zu, ich habe es mit aufzeichnen probiert und mir so zumindest einmal umziehen erspart (3-1=2).

Schon der zweite Tag – für den einen oder anderen auch bereits die Nacht an der Bar – hielt ein Highlight bereit. Zum einen waren sich alle über das Ziel einig (ola! das sollte sich mit der Zeit ändern): Es ging nach Castalla. Über Castalla ist schon viel geschrieben worden und es wurde dort auch viel geflogen. Für uns war es ein super Start in den Frühling. Alain ist zum ersten Mal bis in die Wüste geflogen und viele von uns machten gute Strecken. Am Start ging‘s bereits recht gut und so konnte ich nicht umhin, meine lieben Fliegerfreunde mit meiner Leidenschaft (Wingovern vor dem Startplatz) zu beglücken. Als die ersten Pinienzapfen geflogen kamen, ließ ich von meinem Vorhaben ab und machte mich auf den Weg. Vor mir und wie immer schon weit, weit oben befanden sich Macke und Hoppl (ich konnte übrigens nicht umhin, ihn nach seinem richtigen Vornamen zu fragen – Hoppl kann‘s ja wohl nicht sein!). Hoppl machte mit seinem Boliden einen super soliden Eindruck, was er auch mit seinen geflogenen Strecken in Spanien gut unter Beweis stellen konnte. Und Macke? Ja Macke war einfach weg – so wie immer, als ob‘s kein Morgen gäbe… Trotzdem gab der engagierte Harry seine Versuche ihm zu folgen, nie auf.

Routiniert und sicher zeigte sich Georg am Start – kein Wunder hatte er doch mit Michaela seine private Rückholerin dabei. Horst’s bunter Schirm lud zu Fotosessions ein. Dass mir das meistens nur von unten gelang, tut nichts zur Sache, weil sein Schirm (ich will hier keine Werbung machen!) beidseitig gleich bunt ist. Ja und da gab‘s dann auch noch unsere Kathrin, dieses zierliche weibliche Wesen, mit einem Schirm der ganz auf sie zugeschnitten schien (klein aber oho!). Der geneigte Leser bemerkt, ich komm‘ ins Schwärmen. Aber bleiben wir bei den Tatsachen. Und die gilt es nicht zu verdrehen! Florian – fast hätte ich’s vergessen – hätte in Spanien sicher mehr Aufsehen erregt, wäre er mit dem Enzo angetanzt, wobei nicht klar gewesen wäre, wer da mit wem tanzt. Die unruhige Luft scheint ihn aber geheilt („gecured“) zu haben.

Bisher unerwähnt und deshalb möchte ich‘s gleich nachholen – die „Hribernik-Bande“: So was von zufrieden und genügsam in allen Belangen kann man sich als Reiseveranstalter nur wünschen. Allen war klar, das ist echte „Griffener Schule“[1]! Mit Castalla kamen Vater und Sohn auf ihre Kosten. Diesem Gespann zuzusehen machte große Freude. Wie schön wäre es doch, mit seinem eigenen Vater in die Luft zu gehen. Jonas konnte das jeden Tag genießen.

Das was sich des Nächstens im immer wieder aufgefundenen Hostal La Curva abspielte, ist leicht erklärt: Alles wie bei unserem Otti: Unter kontinuierlichem Nachschub an Cervesas und Tapas wurden die Flüge länger und länger und die Klapper tiefer und tiefer. Man fragt sich dabei, wie mutig man eigentlich sein muss, sich am nächsten Tag wieder unter einen Schirm zu hängen!

Und da war er schon. Bereits um 10:30 gab‘s die ersten Besprechungen, um 11:00 die ersten Änderungen und dann ging‘s los nach… Wohin?  Bitte fragt mich nicht. Jedenfalls zu einem Startplatz, denn nichts anderes interessierte uns eingefleischte Flieger.

Am Sonntag war das Wetter wirklich be….. . Erste Unruhe machte sich im Leitungsgremium breit. Wohin – war die brennende Frage, an der sich alle rieben. Die einen entschieden sich schließlich das Handtuch zu werfen und gleich hinauf nach Salobrenia zu fahren und dort die Neuankömmlinge um „il Presidente“ zu erwarten. Wie die Küken scharrten sich die Flugfanatiker um den letzten Mohikaner. Horst gibt vielleicht Briefe auf, aber nicht die Suche (naja, als Bergretter, darf er ja gerade DIE nicht aufgeben!). Und wirklich sind wir mit Alains telefonischer Ferndiagnose („Fahre nur 4 km nach dem Ort und dann siehst du das!“; „Das MUSST du doch sehen!“ „WARUM SIEHST DU DAS NICHT?“) los. Dank Horst’s untrüglichem, mit GPS Daten gefütterten Vorderlappen haben wir es schließlich gefunden. Und Gott sei Dank kamen wir zu spät! Ein recht ordentlicher Blasius hatte sich erhoben und wehte warnend um die Kante. Wer jetzt glaubt, HTU gibt auf, irrt gewaltig. Unglaublich aber wahr, brachte uns Horst schließlich nach Alicun, wo wir in völlig ruhiger Luft, eingebettet in eine malerische Landschaft doch noch zu einem erholsamen Abgleiter kamen.

An diesem Abend sollte sich auch der letzte verbleibende Gruppenkern teilen. Die einen folgten dem Großteil nach Salobrenia, die anderen zog‘s wieder in's Hostal la Curva, das, wie wir ja schon wissen, im gleichnamigen Ort in der Kurve liegt. Jetzt war ich gewaltig in der Zwickmühle: Konnte ich Kathi mit der „Hribernik-Bande“ alleine lassen? Wohl nicht, und meine Entscheidung für das La Curva war getroffen! Es galt Abschied zu nehmen von unserem wunderbaren Guide und Reiseleiter. Er nahm uns das ab, setzte sich ins Auto und fuhr los. Wir machten es ebenso - wie echte Männer halt so sind.

Der fünfte Tag brach an und es sollte zu einem Grande Festa werden: Alfamar zog am Morgen. Es war offenbar leichter gemeinsame Treffpunkte auszumachen, wenn alle Teile von woanders dazu stoßen. Wir fuhren also die Küste hinauf und die anderen kamen herunter. Endlich waren alle beisammen. Die Alten und die Jungen, die Eingefleischten und die Newcomer. Und die Skymänner. Gemeinsam waren wir stark, zumindest glaubten wir das, bis die Straßen bergan immer steiler und enger wurden. Mit 2 x Andrea, Astrid und Petra hatte unser Rückholteam bestehend aus Michaela und Vanessa - Verstärkung bekommen. Leider kamen dabei auch eine Unmenge Autos hinzu. Wie sie das geschafft haben, dass sie sieben Autos auf diesem Sackgassenbergfeldweg umgedreht haben, bleibt mir bis heute ein Rätsel. Ungefähr so rätselhaft wie die Frage, die sich mir alltäglich aufdrängte, wenn wir unseren Macke in irgendeinem Ort zwischen den Plastikfarmen aufgabeln mussten: „Wie ist der eigentlich dahin gekommen?“ Offensichtlich trägt der Rückholer- und Starthelferlehrgang 1. Teil, den die Mädls hier in Spanien gebucht hatten, erste Früchte.

Über den ersten küstennahen Anhöhen in Alfamar war‘s wirklich schön zu fliegen, zumindest bis der Wind zulegte und Papa Chico „Hribernik“ sich zum Landen eine Palme aussuchen musste, von denen es dort zugegebenermaßen wirklich viele gibt. Wie er das gemacht hat? „Griffener Schule“, keine Frage!

Endlich waren wir alle in Salobreña glücklich vereint und so lief das Leben wieder in geordneten Bahnen ab. Es gab für alle abendlichen Geschichten (so wie die meinen) genügend aufmerksame ZuhörerInnen und für alle Mägen genügend Paella.

Unsere morgendlichen Strandtreffen in Salobreña werden mir noch eine Weile im Gedächtnis bleiben. Das Bild, das die Gruppe dort abgab war bezeichnend. Kaum ausgestiegen ging jeder seiner Wege - versonnen, verkatert, verärgert, verzückt  – wir kamen allenfalls für eine Fotosession sporadisch zusammen, dann rief irgendeiner „Abfahrt!“ und alle saßen flux in irgendeinem Auto und los ging‘s. Bitte fragt mich nicht wohin. Jedenfalls zum Fliegen. Mehr wollte ich eh' nicht wissen.

Am Folgetag hielt Aguadulce wieder ein wunderbares Soaringwetter für uns bereit. Das war wirklich ein Genuss (bis auf das Rauf gehen, das war anstrengend). Mit spanischer Pünktlichkeit brachte uns der unermüdliche und stets hilfsbereite Alain mit dem Jeep die Schirme nach. Ich verlor mich in raumkrümmenden Gedankenspielen und nahm eine Abkürzung durch das „Wurmloch“, was mich aber dem stramm vorauseilenden Horst nicht näher brachte. Wie schreibt Itze immer so schön? „Alle sind sie wunderbar geflogen!“.

Der letzte Flugtag hielt ein Schmankerl für alle bereit. Guainos, eine sich quer zur Küste hinaufwindende nach Osten ausgerichtete Hügelkette. Na, das war ein Fest! Bunt war das Treiben in der Luft, und weit oben waren sie, die meisterlichen Piloten, allen voran Macke, Hoppl, Flo und Hubsi. Ich hielt mich lange Zeit auf gleicher Höhe (vertikal, nicht horizontal!) musste aber dann von ihnen lassen, weil ich auch nach anstrengendstem Bemühen einen äußerst lästigen Staudamm (ca. 15m hoch) nicht zu überwinden vermochte. Ein Hindernis, das die da oben nicht einmal ausmachen konnten. Der Landeplatz am Strand war für unsere unermüdlichen Begleiterinnen und Teilnehmerinnen am Rückholer- und Starthelferkurs 1. Teil ein Segen. Endlich einmal ausspannen, nicht immer nach- oder runterfahren, unglaubwürdige Standortmeldungen von streunenden Streckenpiloten entziffern, sondern die Beine lang machen und einen Espresso genießen.

Alle zusammen fanden uns am Nachmittag wieder einmal in Aguadulce ein. Das lag ohnehin am Weg unzähliger Standortmeldungen unserer streunenden Streckenflieger. Es wehte ein leichter Südost und es bedurfte ein wenig an Gottvertrauen das es „gehen“ würde („against all odds“). Das Schöne an diesem letzten Flug war, dass wir vom Start weg gen Süden halten mussten und so den Küstenstreifen Richtung Almeria getrost abfliegen konnten. Der gemeinsame Ausklang an der Stehbar am Strand war wunderschön. Der Vino Tinto leuchtete tiefrot in der flüchtigen Abendsonne und wurde ebenso schnell geleert wie sie unterging. Und so ging auch – zumindest für einen Teil der Reisegruppe - der Clubausflug der keiner war zu Ende.

Mein Dankeschön gilt ganz besonders

·     - unseren Organisatoren

·     - denen die sich täglich um das fliegerische Wohlergehen gekümmert haben

·     - die so mutig waren mit den Mietautos diese schrecklichen Straßen rauf und runter zu fahren

·     - die uns begleitet haben, ohne mit dem Fliegen so vernarrt zu sein (sondern allenfalls nur in einen der teilnehmenden Piloten)

·    - allen Teilnehmern, die mit mir das Gespräch gesucht und gefunden haben :-)

Das Frühjahr kann kommen - wir sind fliegerisch und gruppendynamisch gewappnet!

Euch allen ein herzliches „Glück ab, gut Land!“

Sebastian

 


[1] Die „Griffener Schule“ kam uns noch des Öfteren unter. Es scheint sich dabei um eine besondere Art des Autofahrens, Essens, Schlafens, Wanderns, Umgangs und Trinkens zu handeln und wird anscheinend bereits den jungen Zöglingen im – wie der Name schon sagt – Raum Griffen beigebracht.


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